Keine Kastrationspflicht für Nasenbären?

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Erste Erfolge des DV-TH bei der Liste invasiver Arten („Alien Species‘)

Die Mitte Dezember von der Europäischen Kommission verabschiedete Liste zur Bekämpfung invasiver Arten ist vom Europäischen Parlament abgelehnt worden, mit dem Hinweis, dass sie einerseits nicht umfassend genug sei, andererseits aber auch nicht zielführend, da es nicht sinnvoll sei, eine einheitliche Liste für ganz Europa zu verwenden.
So ist beispielsweise der Nasenbär in Deutschland keine potentiell invasive Art, während dies in Spanien und Portugal anders aussieht.

Beim Waschbären ist die Sachlage anders, aber hier ist der Kleinräuber inzwischen so weit in Deutschland verbreitet, dass die in Menschenobhut befindliche Population keinerlei Rolle spielt, eine Gefahr ist somit durch sie nicht gegeben.
Auch ist bis heute nicht stichhaltig geklärt, ob das Auftauchen des Waschbären tatsächlich negative Folgen für das Ökosystem in Deutschland hat, zumal einige Studien inzwischen zu dem Ergebnis kommen, dass Waschbären nicht als invasive Art anzusehen sind (MICHLER, F.-U. F., KÖHNEMANN, B. A (2009)).
Die Verschiebung der mit der heißen Nadel gestrickten Liste, auf der neben Waschbär und Nasenbär auch die in der Heimtierhaltung beliebten Streifenhörnchen als invasive Art mit einem Zuchtverbot durch Kastration aufgeführt waren, ist ein ersten Erfolg den der Dachverband der Tierhalter (DV-TH) e.V. gemeinsam mit seinen Partnern erreicht hat.

Als erster Verband hatte der DV-TH die in der Brüsseler Abgeschiedenheit ausbaldowerte Liste öffentlich gemacht und auf allen politischen Kanälen dafür geworben, die Entscheidung zu vertagen, bis eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Dieser Sichtweise hat sich das europäische Parlament angeschlossen!

Folgen unabsehbar
Die Folgen der ursprünglich geplanten Liste wären unabsehbar gewesen. So hätte alle Exemplare der aufgeführten Arten aus Europa exportiert werden oder – falls dies nicht möglich gewesen wäre durch Kastration unfruchtbar gemacht werden müssen.
Davon wären dann nicht nur kommerzielle Halter (z.B. Pelzfarmen), sondern auch private Liebhaber und Zoologische Gärten betroffen gewesen.
Dies hätte bedeutet, dass innerhalb kürzester Zeit europäischen Zoos keine Nasenbären sowie keine Marderhunde und Waschbären mehr zu sehen sein dürften, während letztere beiden Arten aber weiterhin in Deutschland freilebend anzutreffen wären.
Auch für den Heimtierhalter hätte dies erhebliche Einschränkungen bedeutet, denn neben dem asiatischen Streifenhörnchen war auch der bei vielen Haltern ebenfalls sehr beliebte Halsbandsittich von der Aufnahme auf die Liste bedroht. Gerade bei den letzteren Arten stellt sich die Frage nach der Umsetzbarkeit einer solchen Liste, denn alleine das Streifenhörnchen ist bei vielen hundert Hobbyhaltern- und züchtern vertreten, der Halsbandsittich zählt mit seinen zahlreichen Farbformen sogar zu den beliebtesten Großsittichen überhaupt. Die Kontrolle eines Zuchtverbots dürfte also kaum realisierbar sein.
Tierschutzrechtliche Bedenken
Hinzu kommen tierschutzrechtliche Bedenken, denn mit der Kastration nimmt man einem Tier einen wesentlichen Teil seines Verhaltensrepertoirs, die Aufzucht von Jungtieren. Ob dies mit dem deutschen Tierschutzgesetz vereinbar ist, muss mehr als bezweifelt werden, da dieses ja gerade die verhaltensgerechte Pflege fordert. Und letztlich müsste dann auch eine generelle Kastrationspflicht für Katzen eingeführt werden, da diese sich ebenfalls nachweislich selbst erhaltend in Deutschland freilebend vermehren können, wobei sie teils erheblichen Schaden für im Ökosystem anrichten.
Keine Entwarnung
Die jetzt erreichte Verschiebung ist aber kein Grund zur Erleichterung, denn letztlich ist es lediglich eine Gnadenfrist. Denn evtl. schon diesen Januar soll in Brüssel neu verhandelt werden. Es ist also wichtig, dass Tierhalter, Verbände und Zoologische Einrichtungen weiter am Ball bleiben, um auch langfristig Nasenbären, Streifenhörnchen und Co pflegen zu dürfen.
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Verfasst von DV-TH e.V.

Der Dachverband der Tierhalter (DVTH e.V.) wurde am 03.10.2012, am „Tag der Deutschen Einheit“, als Gegengewicht zu Tierrechtsorganisationen, die im Moment ein Verbot der „Exotenhaltung“, mittelfristig aber ein totales Verbot der Haustierhaltung fordern, gegründet... [Weiter lesen]
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